Schliessung des Akutspitals ASANA Spital Menziken
Schliessung des Akutspitals Menziken – Ein Schlag ins Herz des Wynentals
Die Medienmitteilung der ASANA-Gruppe schlug am späten Nachmittag ein wie eine Bombe: Das Akutspital Menziken wird geschlossen. Aus wirtschaftlichen Gründen. Trotz aller Bemühungen sei der Betrieb wegen zu tiefer Auslastung finanziell nicht mehr tragbar.
Die Konsequenz ist hart: Von 303 Mitarbeitenden verlieren 149 ihre Stelle. Der akutstationäre Betrieb und die Chirurgie werden komplett eingestellt. Was bleibt, sind die Hausarztpraxis, der Rettungsdienst und ein reduziertes Ambulatorium.
Notfälle: Bitte nur noch zu Bürozeiten
Besonders brisant ist das Ende der 24-Stunden-Notfallversorgung. Künftig gilt: Notfälle bitte bevorzugt tagsüber. Dass medizinische Notfälle wie Schlaganfälle oder Herzinfarkte sich nicht an Sprechstunden halten, scheint bei den Planern keine Rolle zu spielen.
Als Lösung wird auf das LUKS in Sursee verwiesen – «in 20 Minuten erreichbar». Das ist eine hübsche Schönwetter-Rechnung direkt aus dem Routenplaner. Wer die Strassenverhältnisse im Wynental im Winter kennt, weiss: Diese 20 Minuten sind auf dem Papier solide, in der Realität jedoch eine wackelige Angelegenheit.
Wachstum hier, Kahlschlag dort
Vor allem aber klafft eine massive Lücke zwischen dem Ausbau der Region und dem Rückbau der Versorgung. Menziken und Reinach wachsen rasant, Hunderte neue Wohnungen entstehen, junge Familien ziehen zu. Doch während der Wohnraum für eine wachsende Agglomeration boomt, wird die lebenswichtige Infrastruktur auf das absolute Minimum eingedampft.
Haben 30'000 Einwohner in einer wachsenden Region nicht ein Recht auf eine optimale, zukunftsgerechte medizinische Grundversorgung vor Ort? Eine Leserin brachte es auf Facebook auf den Punkt: «In anderen Regionen mit ähnlicher Bevölkerungszahl wäre ein Spital selbstverständlich.» Stattdessen wird die Region behandelt, als wäre sie ein Auslaufmodell, das man effizient abwickeln kann, damit die Milchbüechlirechnung am Ende aufgeht.
Stimmen aus der Region: Erste Reaktionen zwischen Wut und Ohnmacht
Ich habe bei den Volksvertretern unseres Bezirks im Grossen Rat und direkt in der Bevölkerung nachgefragt: Wie tief sitzt der Schock im Tal? Hier einige Kernaussagen der Volksvertreter. Augenscheinlich ist: Alle waren geschockt und fassungslos. (Morgen gehts mit tieferen Aussagen der Politiker und Stimmen aus der Bevölkerung weiter - hier nur eine Kurzübersicht)
Severin Lüscher (Grossrat Grüne) bedankt sich beim Personal und blickt nach vorn: „Die Angestellten waren mit Herzblut engagiert. Doch die Politik schreibt den Patienten nicht vor, wo sie sich behandeln lassen. Für die Zukunft hoffe ich, dass sich das ambulante und pflegerische Angebot in der Region nun über die Kantonsgrenzen hinweg dem realen Bedarf entsprechend entwickelt.“
Luzia Lanz (Grossrätin SP, Bezirk Kulm) spart nicht mit Kritik an der kantonalen Gesundheitspolitik: „Kleine Spitäler werden durch nicht kostendeckende Tarife systematisch ausgehungert – Randregionen dürfen bei der Regierung nicht als Restposten enden. Neben dem Verlust von 150 Arbeits- und Ausbildungsplätzen ist diese Schliessung ein einschneidender Rückschlag.“
Bruno Rudolf (Grossrat SVP & Gemeinderat Reinach) nennt den Entscheid eine „Katastrophe aus rein wirtschaftlichen Motiven“. Das Tal sei nicht geschützt, sondern geopfert worden. Der Verlust von 149 Arbeitsplätzen wiege sehr schwer. Es treffe die Region ins Herz.
Adrian Meier (Grossrat FDP) zeigt sich vom Ausmass der Kündigungen tief betroffen und verweist auf die regionalwirtschaftlichen Folgen: „Die Schliessung ist ein schwerer Schlag für eine Region, die ohnehin die höchste Arbeitslosenquote im Aargau aufweist. Strategisch wurde der Fehler bereits 2018 mit dem Aus der Geburtenabteilung gemacht – damit hat man die Bindung zu jungen Familien leichtfertig verspielt.“
Toni Bättig (ehem. Gemeinderat & Co-Präsident Die Mitte, Bezirk Kulm) fordert schonungslos Transparenz: „Die finanziellen Probleme waren seit Jahren bekannt. Politik und Behörden müssen jetzt antworten, ob sie rechtzeitig gehandelt haben – die Region hat ein Recht auf Aufklärung.“
Annette Heuberger (ehem. Frau Gemeindeammann Menziken) bringt die tiefe persönliche Betroffenheitt ein: „Das Akutspital wird schmerzlich fehlen. Ich habe selbst 23 Jahre dort gearbeitet. Die verlorenen Arbeitsplätze schmerzen sehr – immerhin haben wir mit dem LUKS nun eine wichtige Stütze.“
Einordnung: Eine Tragödie in drei Akten
Was hier passiert, ist nur ein kleiner Ausschnitt aus einer grösseren, tragischen Geschichte: der Geschichte über den Preis der Wirtschaftlichkeit, über das Kaltstellen einer Region, über eine Gesundheitsversorgung, die sich am optimierten Minimalismus orientiert – und nicht an den Bedürfnissen der Menschen oder an der gelebten «Nöchi», die man so gern bewirbt.
Es ist das traurige Beispiel einer Tragödie in drei Akten. Beendet mit einem Todesstoss, der eher an eine Oper von Wagner erinnert – nur ohne Orchester. Dafür mit Abakus und Excel.
Und die Weiterentwicklung? Sie steht weder in der Glaskugel noch in den Sternen. Fakt ist: Die Bevölkerung, die Politikerinnen und Politiker, das Personal, – sie alle wurden übergangen. Draussen gelassen. Damit die"Milchbüechlirechnung" stimmt
Und trotzdem bleibt ein Funken Hoffnung. Die Reaktionen in den sozialen Medien zeigen, dass die Region vielleicht endlich beginnt, einen Gemeinschaftssinn zu entwickeln. Vielleicht schafft man es, gemeinsam für etwas einzustehen, worüber man eigentlich gar nicht kämpfen müsste: eine gute Grundversorgung und einen Notfalldienst, der 24 Stunden läuft – und nicht zum Service Public nach Öffnungszeiten verkommt.
Hinweis: Das ist der erste Teil.. Morgen lesen Sie hier auf dem Blog weitere Reaktionen und die vertieften Aussagen der Grossräte. Noch mehr Stimmen, ausstehende Antworten und die vertiefte Analyse zur Spitalschliessung.
Mehr zum Thema: Die offizielle Berichterstattung und laufende Updates finden Sie direkt beim hier beim Wynentaler Blatt auf der Website oder auf ihrer Facebookseite. https://www.wynentaler-blatt.ch/asana-spital-menziken-wird-geschlossen-teil-angebot-bleibt-bestehen


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