Regenüberlaufsbecken in Menziken: was lange währt wird endlich gut
Wer sich für das neu gebaute Regenüberlaufsbecken interessiert, hier wäre der Zeitungsbericht dazu:
Menziken, Neubau Regenüberlaufsbecken RÜB 528
Was
lange währt wird endlich gut
Beinahe
zwei Jahre lang mussten die Menziker und der Durchgangsverkehr durchs Dorf sich
in Geduld üben. Eine Baustelle auf der Höhe der Abzweigung
Hauptstrasse-Herkulesstrasse sorgte für Diskussionen, Unmut und Ungeduld. Baustellenverkehr,
Rotlicht und Verkehrsbehinderungen gehörten in den letzten zwei Jahren zum
Alltag. Dies steht im Zusammenhang mit dem Neubau des Regenüberlaufbeckens RÜB
528 und die damit zusammenhängende Kanal- und Strassensanierung.
dr.
In den letzten Monaten hatte man bei der Durchfahrt der Baustelle oft das
Gefühl, dass bei dieser gar nichts passiert. Nach den anfänglichen
Verkehrsbehinderungen beim Erstellen der Rühlwände wurde es eher ruhig. Doch
der Eindruck täuschte. In den letzten beiden Jahren wurde fleissig gearbeitet,
betoniert und im Untergrund ein beachtliches Regenüberlaufbecken erstellt. Schwieriger
Untergrund und Hochwasser behinderten und verzögerten die Bauarbeiten immer
wieder.
Ein
Blick zurück
Im
Jahr 2016 beauftragte der Abwasserverband Oberwynental eine ortsansässige
Ingenieurgemeinschaft mit der Ausarbeitung des Vor- und Bauprojekts, um
die Massnahmen zum Gewässerschutz der Wyna zu planen. Dies war notwendig, weil
bestehende Leitungen undicht oder zu klein dimensioniert waren und dadurch die
Immissionsgrenzwerte in der Wyna überschritten wurden. Das geplante
Regenüberlaufbecken (RÜB 528) soll nun die Verträglichkeit des Schmutzwassers
gegenüber der Trinkwasserfassung Russirainmatte und der Wyna erheblich verbessern.
Es dient als Behandlungsanlage und Zwischenspeicher, um die Spitze des
anfallenden Niederschlagswassers vorübergehend zurückzuhalten und die
nachfolgenden Kanalisationshaltungen zu entlasten.
Schwieriger
Boden in grosser Tiefe
Die
Bauarbeiten zu Beginn gestalteten sich schwierig. Riesige, über 20 Meter hohe
Rühlwandträger mussten in den Boden gebohrt werden. Der Untergrund war viel
steiniger als erwartet. In einer Tiefe von zehn Metern stiess man auf eine
Moränenschicht, und nach weiteren Steinschichten folgte in siebzehn Metern
Tiefe eine erneute Schicht aus der dem herausfordernden Material einer Moräne. Die grosse Schwierigkeit eines Untergrundes
aus Moränenmaterial befindet sich in der Zusammensetzung. Das Geschiebe,
welches der Gletscher in der letzten Eiszeit (in der Würmzeit war es vermutlich
eine Seitenzunge des damaligen Reussgletschers), vor sich hingeschoben hatte,
besteht aus ungleichmässig verdichtetem Material, welches eine andere Tragfähigkeit,
eine andere Wasserdurchlässigkeit oder stärkere Frostempfindlichkeit aufweisen
kann. Dies muss vom Geologen geprüft werden und die Verankerungen und Sicherung
der Baugrube angepasst werden. Die schwierigen Bodenverhältnisse verzögerten
den Bau enorm.
Bau
des Regenüberlaufsbecken
Während
des Baus des grossen Überlaufbeckens mussten die Bauarbeiten immer wieder
gestoppt werden. Sei es durch eindringendes Wasser oder auch durch Hochwassersituationen
an der Wyna. Im Bereich des Clubs des «Spaniers» wurde das Einleitbauwerk der Kanalisation
ins Regenüberlaufbecken eingebaut und der imposante Bau konnte endlich
voranschreiten. Das neue Becken ist aufgeteilt in zwei Kammern. Jede misst in
der Länge über elf Metern und weist eine Breite von über 6 Metern auf. Die Höhe
von über 4 Metern ist beeindruckend. Aufgefangen werden hier bei Starkregen
oder auch Landregen das Wasser der Kanalisation von der Russirainstrasse und
Friedhofstrasse herkommend. Ziel ist es, dass das Becken das Wasser der
Kanalisation auffängt. Eine grobe Reinigung durch Absetzen von schwerem
Material findet automatisch statt. Anschliessend wird das vom groben Schmutz
gereinigte Wasser erneut der Kanalisation zugeführt. Bei Starkregen wird der
Kanal über die Kammern in die Wyna entlastet. Dies führt zu einer Beruhigung
des Kanalnetzes und vermindert eventuelle Überschwemmungen von starken
Schmutzwassern, welches mit hoher Geschwindigkeit durch die Rohre schiesst.
Auch
an die Tiere wurde gedacht. Amphibien können über eine spezielle
Amphibienquerhilfe selbständig das Überlaufbecken verlassen und wieder ins
Gebiet der Wyna zurückwandern. Wer jetzt an Fische denkt kann aufatmen. Diese
befinden sich normalerweise in der Wyna und nicht in der Kanalisation.
Vom
Projekt bis zur Fertigstellung
Insgesamt
brauchte das Projekt von der Planung bis zur Fertigstellung beinahe zehn Jahre.
Ein Alternativstandort konnte im weitgehend überbauten Dorfkern von Menziken
nicht gefunden werden. Umso wichtiger war es, dass die Umweltaspekte
berücksichtigt wurden: Die Ufervegetation der Wyna wurde durch
Projektanpassungen vollständig geschont, und es musste eine fischereirechtliche
Bewilligung eingeholt werden. Gemäss Beurteilung profitiert das Ökosystem der
Wyna von der verbesserten Regen- und Schmutzwasserbehandlung. Auch der
Hochwasserschutz war ein wichtiger Faktor. Nach einer Überarbeitung wurden die
beiden Regenüberlaufbecken nicht nebeneinander, sondern hintereinander
konzipiert. Dadurch wurde der Abstand zum Gewässer deutlich erhöht, was auch
für den künftigen Hochwasserschutz wichtig ist. Die langen Zeitverzögerungen
erforderten viel Geduld aller Beteiligten. Nun freut sich nicht nur die
Gemeinde Menziken, dass das Becken fertiggestellt und dieses die
Bewährungstaufe eines Hochwassers bereits erfolgreich hinter sich hat. Auch
wenn das Becken bereits funktioniert, es gibt noch diverse Feinabstimmungen zu
vollenden. Die Steuerung des Regenüberlaufsbeckens ist noch ausstehend und wird
demnächst fertig gestellt.
Weiter
ist geplant, dass die Hauptstrasse mit dem baldigem Einbau des Deckbelags gestartet
werden kann. Dies unter Berücksichtigung der Wetterverhältnisse. Die Beendigung der Umleitung und die langersehnte
Entlastung der Myrtenstrasse ist in greifbare Nähe gerückt.
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