von der Fichtenkotsackblattwespe bis zum konfusen Konfuzius
Das Lexikon-Abenteuer: Von der Fichtenkotsackblattwespe bis hin zum konfusen Konfuzius - verbogenes Wissen in Buchform versteckt.
Meine lieben Leser und Leserinnen, Follower und Followerinnen,
heute, beim obligaten Freitagswohnungsputz, habe ich das Bücherregal wieder einmal unter die Lupe genommen. Ja – das Bücherregal. Früher nicht wegzudenken aus einer intellektuell angehauchten Wohnung – heute ist kaum mehr Platz für drei Bücher darin. Willkommen in der digitalen Welt.
Aber tatsächlich, ich bzw. wir haben noch ein Bücherregal. Vollgestopft mit Büchern. Von Sach- und Fachliteratur über Romane und Bildbände bis hin zu den kleinen gelben Minibüchern – wer kennt sie nicht? –, in denen Goethe oder Schiller den Gedichten frönen und Meister Konfuzius konfuse Redewendungen von sich gibt. Ach ja, die Kochbücher hätte ich nun beinahe vergessen. Natürlich füllen auch die Regale um Regale. Spannend sind übrigens diejenigen aus der Jahrhundertwende – von der Urgrossmutter oder Mutter geerbt. Und ich spreche von der Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert – nicht vom 20. zum 21. Jahrhundert.
Kurz gesagt: Zuoberst im Regal standen still und leise die unzähligen Lexika. Die Bücher, die man von fleissigen Vertretern aufgeschwatzt bekam, wenn ein Kind geboren wurde. Beim ersten Kind hatten wir noch durchgehalten und uns mit Stand 1989 eine mehrteilige Lexikon-Bibliothek angeschafft. Die Bände waren so teuer, da muss man schon etwas Sorge dazu tragen. Und Bücher sind mir heilig. Da wird grosse Sorgfalt walten gelassen. Aber ich schweife ab.
Lexika (Mehrzahl von Lexikon, falls junge Menschen mitlesen, die dies nicht mehr wissen ...) sind unglaublich spannend und das Gegenteil von dem, woher wir heute unser Wissen beziehen. In der Zeit, in der ich auf der Blogseite meinen Text in die Tasten klimpere und kaum Platz dafür benötige, war das Aufklappen eines Lexikons schon immer ziemlich platzraubend. Mein Laptop zweimal Platz in dem Buch. Das wahllose Aufschlagen macht übrigens riesengrosse Freude. Ich bin beim Öffnen des Lexikons irgendwo beim f gelandet:
Habt ihr gewusst, dass es ein Fichtelgebirge gibt? Ein wunderschönes Foto (nein, man kann es nicht grösser machen) zeigt Bäume und einen See – der notabene Fichtelsee heisst. Die Bäume sind wohl Fichten und das Gebirge ist ein Mittelgebirge am Schnittpunkt von Thüringer Wald, Oberpfälzer Wald und Erzgebirge. Ein Schieferplateau mit aufgesetzten Granitkuppen. Donau, Rhein und Elbe ziehen quer über das Gebirge, und das Klima soll feuchtkalt sein, mit ausgedehnten Wald- und Weidegebieten. Ein Erholungsgebiet, welches sogar den Fichtelberg beinhaltet. Ehrlich, ich hätte es nicht gewusst. Gut, als Schweizerin kennt man die deutsche Geografie nicht so gut.
Aber spannend, absolut spannend und eines Krimis würdig ist es, wenn man den Blick von der Beschreibung des Fichtelgebirges weiterführt und lernt, dass es auch noch Fichtenholzwespen gibt. Die gewöhnliche ist eine Gemeine Holzwespe (Sirex juvencus), eine 3 cm lange, blauschwarze Wespe mit rötlich-gelben Beinen. Wow. Wusste ich auch nicht. Dafür gibt es neben den Fichteninseln (Westkuba) auch die Fichtenkotsackblattwespe, den Fichtenkreuzschnabel und Fichtenläuse bis hin zum Fichtenrüsselkäfer. Die Fichtensamenwespe und den Fichtenspinner (das ist übrigens ein Schmetterling) gibt es übrigens auch noch. Dann geht es gnadenlos weiter zum Ficus.
Ja – früher wurde einem wirklich was geboten fürs Geld. Durch all dieses Wissen, von Fichtenwespen bis zu Herrn Johann Gottlieb Fichte, einem Philosophen aus dem Jahr 1762 aus der Lausitz, lernt man eine Welt von früher kennen, zu der man sonst nie gelangen würde. Ich mag mich sogar erinnern, dass es als Kind eine meiner Lieblingsbeschäftigungen war, ein altes, zerfleddertes Lexikon zu schnappen, am Boden neben dem Bücherregal zu sitzen und darin zu lesen.
"Und?", fragte mich meine Mutter dann, "bist du jetzt gescheiter? Was hast du gelernt?" Ich hatte, glaube ich, nie eine Antwort darauf. Mein Kopf summte wohl von Fichten und Wespen und der Fichtenfliege, aber gescheiter? Das war eine andere Frage.
Dennoch habe ich mir heute vorgenommen, den Tag mit einem wahllosen Blick in ein Lexikon abzuschliessen. Von Garibaldi ... wer kennt den noch? Über einen wassergekühlten Generator mit einer perfekten Illustration zu lesen und sich bewusst zu werden, wie wenig man doch von dieser Welt weiss.
KI ist hier übrigens die falsche Adresse. Die KI kann nur Antwort darauf geben, was eine Fichtenholzwespe ist, wenn man sie direkt fragt. Sonst bleibt das Wissen über diese faszinierende Holzwespe auf ewig geheim und verschwunden.
Also meine Lieben, schwärmt aus, rennt ins nächste Brocki und sucht nach alten Lexika. Das macht Spass und ist eine tolle Idee für den nächsten Gesellschaftsabend.
Herzlichst, Eure Lexikaliebhaberinlesendeblogschreiberin

So guet
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