Zwischen Chia-Samen und Gewürzbrot: Warum ich lieber backe, als den Homberg runterzurollen
Zwischen Chia-Samen und Gewürzbrot: Warum ich lieber backe, als den Homberg runterzurollen
Wenn man etwas auf den sozialen Medien herumturnt und unzählige Videos und Fotos anschaut, dann fällt vor allem eins auf: Gegessen wird immer. Auf das Essen folgen Schminktipps, tausende von Diät-Ideen (die indirekt wieder mit Essen zu tun haben), Fotos von Haustieren oder wilden Tieren, dann Reisen mit Fahrrad oder Fischkutter und Geldthemen. Das sind so die wichtigsten Eckpfeiler heute am Donnerstagabend. Kurz: Es ist wie auf einem Marktgelände: Überall ein grosses Angebot, aber niemand kauft etwas. Bis auf den Bratwurstverkäufer – der strahlt, und wir wissen es: Gegessen wird immer.
Von Influencern und Tomaten-Ärzten
Neben bekannten Namen wie Noah Bachmann, der jetzt wie René Schudel im Freien kocht (waruuuummm?), gibt es unzählige Tipps aus der fremdländischen Küche. Dank eines chinesischen Influencers habe ich gelernt, ein richtig knuspriges „gebratenes Reis“ zu kochen – ich könnte es jeden Tag essen. Auch Kanäle wie „Türkisch kochen für Anfänger“ sind herrlich einfach und bodenständig.
Doch eins fällt auf: Auf Instagram machen oft alle das Gleiche. Da steht ein angehender „Arzt“ mit Stethoskop in der Küche (damit man auch ja erkennt, dass er Arzt ist) und prüft wahrscheinlich noch kurz die Herzfrequenz der Tomaten, bevor sie geschnitten werden. Er wiederholt, was andere sagen, und klatscht Chia-Samen, Joghurt und Kaffee in eine Auflaufform. Alles ist „wahnsinnig gesund“: Von Hüttenkäse gegen die Müdigkeit bis hin zu Markknochen für faltenfreie Arme (Knochenfett macht’s möglich) – was will man mehr?
Eine neue Religion
Mit Chili und Ingwer wird man schlank, und die asiatische Küche dient als Vorbild. Ich muss ehrlich zugeben: Bis ich alles ausprobiert habe, was satt, lecker, dick, schlank oder gesund macht, kann man mich wahrscheinlich den Homberg runterrollen.
Spass beiseite: Kochen ist einfach eine wunderschöne Sache. Was früher einfach nur den Hunger stillte, ist heute fast eine neue Religion geworden. Deshalb tut das Kochbuch, das Annette Heuberger für die Altersresidenz Falkenstein in Menziken geschrieben hat, so richtig gut. Mit grossem Eifer und vielen Gesprächen sammelte Annette Heuberger Rezeptideen um Rezeptideen. In der eigenen Küche wurde dann wohl getüftelt und gekocht. Die Familie stand als Versuchskaninchen zur Verfügung und war begeistert. So schilderte Heuberger die Umsetzung ihrer wunderschönen Idee in dem herzigen Kochbuch. Das Buch ist bereits 2024 erschienen, dennoch ist die Idee aktueller denn je. Ein zunehmendes Bewusstsein für Qualität, einfache Gerichte, ehrliche Küche und auch das Wissen, dass früher wirklich nicht alles schlechter war, machen Idee und Kochbuch zu einem Dauerrenner.
Das Experiment: Gewürzbrot nach Metha Tschopp
„So haben unsere Bewohner früher gekocht“ – Kochen wie zu Grossmutters Zeiten. Wobei unsere Grossmütter doch ganz anders kochten als die heutigen Omas und Opas. Um die Spannung zu erhöhen, habe ich das Büchlein blind aufgeschlagen und bin beim Gewürzbrot gelandet. Das backe ich nun in den nächsten Tagen. Fortsetzung folgt – und:
Vorfreude auf den Duft
Auch wenn ich dieses Brot vielleicht nicht direkt gesucht hätte – ich liebe es, Brot zu backen. Es ist wie ein Eintauchen in eine kleine Geschichte. Man steckt Liebe hinein, lässt die Zeit arbeiten und wird mit einem Duft belohnt, der die ganze Wohnung verzaubert. So wird es sicher auch bei dem Rezept von Metha Tschopp sein.
Ich werde mich also morgen auf die Suche nach den Zutaten machen und für einmal hinter den Kochherd stehen und nicht vor dem Computer, um mich als Bäckerin zu versuchen. Ich bin gespannt!
Tipp für Ungeduldige: Wer nicht auf meine Kochergebnisse warten möchte: Das bezaubernde Büchlein gibt es für Fr. 25.00 direkt in der Altersresidenz in Menziken zu kaufen. Es lohnt sich allein schon wegen der schönen Aufmachung.
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